Die deutschen Leitlinien (DVO 2006) sehen die DEXA-Methode als Goldstandard an. Wir empfehlen unseren Patientinnen und Patienten zusätzlich zur Messung mit DEXA die pQCT-Untersuchung an Unterarm und Unterschenkel.
Die Knochendichtemessung wird in Deutschland mit verschiedenen Verfahren durchgeführt. Das am häufigsten eingesetzte Verfahren heißt DEXA, = Dual Energy X-ray Absorptiometry = Zwei Energie Röntgen Absorptionsmessung.
Ein zweites, in der wissenschaftlichen Grundlagenforschung unverzichtbares Verfahren ist die periphere Quantitative Computertomografie (pQCT). Der Ausdruck „peripher“ bezieht sich auf Arme und Beine im Gegensatz zum Rumpf.
Weitere Verfahren sind die Computertomographie der Wirbelsäule (QCT, im Gegensatz zu pQCT) sowie die Messung mit Ultraschall. Die beiden letzteren Verfahren werden weder von den Leitlinien noch von uns empfohlen.
Ohne die Ergebnisse der DEXA-Messung ist eine Behandlung nach den DVO-Leitlinien nicht möglich! Mit dem DEXA-Verfahren wird die Knochendichte an der Wirbelsäule und an der Hüfte gemessen, mit dem pQCT am Unterarm und am Unterschenkel. In der Aerpah-Klinik Esslingen wenden wir beide Verfahren gemeinsam an. Die beiden Verfahren unterscheiden und ergänzen sich in der technischen Methode und in der Aussagekraft. Beiden gemeinsam ist, dass sie mit Röntgenstrahlen arbeiten, aber eine sehr geringe Strahlendosis anwenden. Die Strahlendosis liegt weit unterhalb der natürlichen Strahlendosis, die jeder Mensch täglich auf diesem Planeten erhält.
Das DEXA-Verfahren hat einige grundsätzliche technische Nachteile und Fehlermöglichkeiten, die mit dem pQCT-Verfahren ausgeglichen werden können. Bei dem DEXA-Verfahren liegt man auf einem Tisch, eine niedrig dosierte Röntgenstrahlung projiziert die drei Dimensionen des Knochens auf eine zweidimensionale Fläche. Dadurch erhält man ein flächenhaftes Abbild des Skeletts, ohne hinreichend genaue Informationen über die dreidimensionale räumliche Struktur. Der erhaltene Messwert ist eine Flächenbelegung, gemessen in Gramm pro Quadratzentimeter. In einem physikalisch falschen Sprachgebrauch wird dieser Wert „Knochendichte“ genannt, obwohl er im korrekten Sprachgebrauch keine wirkliche Dichte ist (Dichte = Masse pro Rauminhalt!).
Der DEXA-Messwert ist ein Ausdruck der Knochenmasse, die bei kleinen Menschen natürlich geringer ist als bei großen. Dies führt dazu, dass bei unterdurchschnittlich kleinen und überdurchschnittlich großen Personen die DEXA-Werte nicht ohne weiters beurteilt werden können, sondern stark interpretationsbedürftig sind. Außerdem misst diese Methode alle kalkhaltigen Körperteile mit, so zum Beispiel knöcherne Veränderungen der Wirbelsäule, wie sie bei uns allen im Laufe des Lebens entstehen. Auch wenn Wirbelkörper bereits zusammengesintert sind, wird hier ein falsch positiver Wert gemessen. Hier muss ein sehr erfahrener Arzt den Befund sorgfältig interpretieren.
Der große Vorteil der Methode ist, dass man sehr viele Vergleichswerte hat. Um die methodischen Begrenzungen der DEXA-Methode zu erkennen, bedarf es spezieller osteologischer Fachkenntnis und großer Sorgfalt bei der Beurteilung. Üblicherweise wird ein sogenannter T-Wert als Ergebnis mitgeteilt, der die Abweichung der einzelnen Messung von einer Vergleichsgruppe junger Frauen angibt. Mit diesem T-Wert, zusätzlich der Angabe, ob es schon osteoporotische Wirbelkörper gegeben hat, und dem Alter wird in einer Tabelle das 10-Jahresrisiko abgelesen, eine Wirbelkörperfraktur oder eine Hüftfraktur zu erleiden. Aus diesem Risiko ergibt sich die Indikation zur Behandlung mit spezifischen Medikamenten zur Verbesserung der Knochendichte.
Die Methode der peripheren Quantitativen Computertomografie (pQCT) ergibt Querschnitte durch den Knochen und die Muskulatur von Arm und Bein. Im pQCT kann man das Verhältnis zwischen Muskel und Knochen beurteilen, außerdem die verschiedenen Anteile des Knochens voneinander unterschieden, und so genauere Informationen über die Architektur des Knochens erhalten. Die pQCT-Methode ist zudem in der Messwiederholung wesentlich genauer als DEXA und die anderen Verfahren und deshalb zur Verlaufskontrolle besser verwertbar.
In unserer Klinik schlagen wir den Patienten vor, beide Methoden gleichzeitig anzuwenden, und aus dieser Kombination ergeben sich wichtige Erkenntnisse, die mit keiner Methode allein gewonnen werden können.
Wir messen damit an vier Körperregionen: An Hüft und Lendenwirbelsäule mit DEXA und Unterarm und Unterschenkel mit pQCT.
Wenn jemand nur eine Untersuchung wünscht, wenden wir entsprechend den Leitlinien nur die DEXA-Methode an.
Unsere Empfehlung, mit DEXA und pQCT gleichzeitig zu messen, basiert auf drei Erkenntnissen, die wir auch durch eigene Forschungen bestätigt haben:
Entscheidend für Therapieauswahl ist auf jeden Fall der Verlauf des Knochenauf- bzw. –abbaus, und der kann mit keiner Methode so gut gemessen werden wie mit der pQCT-Methode.