Die Osteoporose ist eine Krankheit, unter der allein in Deutschland zwischen vier bis sechs Millionen Menschen leiden. Über Jahre kommt es zu einer Verminderung von Knochenmasse und Knochenfestigkeit. Dies führt zu zwei verschiedenen Sorten von Knochenbrüchen: einmal bei ganz normalen Bewegungen zu fortlaufenden kleinen Einbrüchen der Wirbelkörper (Sinterungen), zum anderen bei Stürzen zu Brüchen von Oberschenkel(hals), Oberarm, Becken, Handgelenk. Mit zunehmendem Alter, etwa ab 70 Jahren, wird die Kombination von Sturzgefahr und Osteoporose zur potenzierten Gefahr.
Wenn es zum Knochenbruch kommt, hat der „schleichende Dieb“ schon jahrelang sein Werk getan. Heute wissen wir, dass die häufigste und wichtigste Ursache des allmählichen Verlustes von Knochen die verminderte Stimulation durch Muskelkräfte ist: Menschen mit viel Muskelkraft leiden nur sehr selten an Osteoporose. Die Veränderung der Hormone mit dem Alter spielt eine wichtige, aber dem Muskel gegenüber nachgeordnete Rolle. Während die Forschung zu Diagnostik und Behandlung der Osteoporose in den letzten Jahren große Fortschritte macht, herrschen in der Öffentlichkeit noch immer eine ganze Reihe hartnäckiger Missverständnisse vor. Bis hin zu Artikeln in auflagestarken Journalen, in denen die Osteoporose zu den „erfundenen Krankheiten“ gerechnet wird. Frauenkrankheit … kommt eben mit dem Alter … kann man wenig gegen machen … solche oder ähnliche Auffassungen sind zu hören.
Osteoporose ist aber keineswegs eine unvermeidliche Krankheit. Sicher, sie wird mit zunehmenden Lebensjahren immer häufiger, ist aber in den meisten Fällen vermeidbar, und kann nahezu immer gebremst oder gebessert werden. Männer leiden übrigens genauso an Osteoporose wie Frauen, es trifft sie nur zehn Jahre später im Lebenslauf. Vielleicht sind die Missverständnisse über die Krankheit daran beteiligt, dass nur 20 Prozent aller Osteoporosepatienten hinreichend behandelt werden. Die Früherkennung der Osteoporose mit Hilfe der Knochendichtemessung bietet die besten Chancen, frühzeitig und nahhaltig etwas zu unternehmen. Vorbeugen ist besser (und leichter) als heilen.
Zur Früherkennung hilft eine Risikoerfassung. Wer ist besonders gefährdet? Die Forschung hat eine Reihe von Risikofaktoren herausgearbeitet. Wenn Sie eines oder gar mehrere dieser Risikomerkmale haben, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen:
Die wirkungsvollste Behandlung ist die Kombination von richtiger Ernährung, angemessener Bewegung und medikamentöser Behandlung.
Zur Ernährung wird zunehmend bekannt, dass ausreichend Vitamin D genauso wichtig ist wie genügend Kalzium. Trinken Sie kalziumreiches Mineralwasser! Und auch in Sachen Bewegung verbreitet sich die neue Erkenntnis, dass Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren und Walking zwar gute Wirkung für Herz und Kreislauf zeigen, aber den Knochen nicht aufbauen können. Knochen brauchen als Wachstumsreis bis ins Alter hohe Muskelkraftspitzen, wie sie nur beim Krafttraining und beim Springen oder Hüpfen auftreten. Übungen zur Balance und Muskelleistung sind zusätzlich gegen die Sturzgefahr nötig. Das ist ein zweiter, unverzichtbarer Angriffspunkt gegen Osteoporose. Eine richtige Bewegungstherapie gegen Osteoporose muss also sowohl Knochen aufbauend, als auch sturzvermeidend wirksam sein.
Die neuen Medikamente können mehr als 60 Prozent der Wirbelkörperbrüche verhindern. In ganz schweren Fällen besteht die Möglichkeit, mit täglichen Spritzen unter die Haut, ähnlich wie bei Zuckerkranken, neuen Knochen aufzubauen. Die Wirkung dieser Osteoporosespritzen auf chronische Rückenschmerzen wird in einer internationalen Studie untersucht, an der die Aerpah Klinik teilnimmt.
Dr. med. Martin Runge