Ja, Prävention ist der Königsweg. Eine knochengesunde Lebensführung kann auch ein erblich erhöhtes Osteoporoserisiko entscheidend senken.
Eine knochengesunde Lebensweise besteht in folgenden Komponenten:
Überspitzt gesagt: Osteoporose ist eine Kinderkrankheit! Das soll heißen: Knochenwachstum, das nicht in der Kindheit angelegt wird, kann im Alter nur schwer nachgeholt werden.
Sicher, erbliche Veranlagung spielt eine große Rolle. Aber man kann die Vorteile der Geburt durch eine gesundheitliche falsche Lebensführung verspielen. „Couch-Kartoffeln“ verlieren Muskeln und Knochen, egal wie stark die Eltern waren!
In jungen und mittleren Jahren kommt es vor allem darauf an, Bewegungsfreude, Elastizität, Muskelkraft und feste Knochen zu erwerben und zu bewahren. Dies ist auch beim Älterwerden der richtige Ansatz, wird aber durch chronische Schmerzen, Nachlassen der Muskelleistung und Sturzgefahr nicht leichter. Die gute Botschaft: Muskel und Knochen reagieren in jedem Alter auf Behandlung und das richtige Bewegungsprogramm: Muskel und Knochen können in jedem Alter aufgebaut werden, Knochen werden alle 10 Jahre komplett runderneuert.
Die vergleichsweise seltenen Fälle von schweren Hormonstörungen und anderen zur Osteoporose führenden Erkrankungen einmal außen vor gelassen, können osteoporotische Knochenbrüche oft verhindert werden.
Gesundheitstest „Wie erkenne ich mein Sturzrisiko?"
Wichtig ist es, am Ball zu bleiben. Alle Maßnahmen müssen nachhaltig anhaltend durchgeführt werden. Dabei hilft das Üben und Diskutieren in der Gruppe. Osteoporoseselbsthilfegruppen sind nahezu flächendeckend vorhanden und aktiv.
Es gibt unterschiedliche Formen der Osteoporose, weil verschiedene Ursachenketten Knochenmasse und Knochenfestigkeit verringern können.
Bei einem einzelnen Patienten liegen gewöhnlich individuelle Kombinationen der verschiedenen Ursachen vor. Allen Entstehungsursachen liegt aber ein Grundprinzip zu Grunde: Der Regelkreis der Muskel-Knochen-Einheit, in dem Knochenmasse und Knochenfestigkeit von den Muskelkräften bestimmt wird.
Knochen sind ein dynamisches Organ, das sich ständig der wechselnden Inanspruchnahme anpasst und deshalb fortlaufend ab- und aufgebaut wird. Man schätzt, dass alle 10 Jahre durch diese Umbauprozesse das gesamte Skelett „runderneuert“ wird. Kein Knochen ist älter als 10 Jahre!
Dieser Umbau wird von einem kybernetischen System geregelt, dessen Grundzüge bereits 1892 von dem deutschen Arzt Julius Wolff beschrieben wurden ( Wolffsche Gesetz: Die Form folgt der Funktion.), und das in den 60er Jahre von dem amerikanischen Osteologen Harald Frost genauer erforscht wurden (Mechanostat-Theorie). Der vielfach bestätigte Kernsatz lautet: Knochenabbau- und Knochenaufbauprozesse richten sich nach den täglichen Kraftspitzen der Muskeln.
So wie ein Thermostat die Raumtemperatur misst und konstant hält, misst ein „Mechanostat“ im Knochen dessen Verformung und bestimmt aufgrund der Verformung, die durch die Muskelkräfte verursacht wird, die Knochenfestigkeit.
Hormone vermitteln diesen Prozess und stellen den Knochen auf unterschiedliche „Empfindlichkeiten“ ein. Für Technisch Interessierte: Sie modifizieren den „set point“ des Regelkreises. Deshalb baut sich Knochen auf, wenn starke Muskelkräfte regelmäßig auf ihn einwirken, und er baut sich ab, sobald durch Lähmung, Schwerelosigkeit, starke Schmerzen oder andere Ruhigstellung eines Körperteils keine Muskelkräfte auf ihn einwirken. Moderne Forscher sprechen deshalb von der „Muskel-Knochen-Einheit“.
Das Konzept der Aerpah-Klinik baut auf dem Regelkreis Muskel-Knochen auf, und stellt Muskelstruktur und Muskelfunktion gleichberechtigt neben die Diagnostik des Knochens selbst. Die Hormone sind in diesen Regelkreis modifizierend eingebunden. Durch ihr Einwirken reagiert der Knochen mehr oder weniger auf die Muskelkräfte. Bei schweren Hormonstörungen von Eierstöcken bzw. Hoden, Nebenschilddrüsen oder Schilddrüsen, kommt es deshalb ebenfalls leichter zur Osteoporose.
Kalziummangel ist in unserer Gesellschaft eine seltene und nur bei Ernährungsstörungen wesentliche Ursache. Aber natürlich braucht der Knochen Kalzium, dessen ausreichende Zufuhr (über 1000 mg pro Tag) auf jeden Fall gewährleistet sein sollte. Zur Kalziumaufnahme benötigt der Körper aber auf jeden Fall Vitamin D, das in sonnenreichen Monaten und genügend freier Sonneneinstrahlung in der Haut gebildet wird. Ein Vitamin-D-Mangel ist aber gerade bei Älteren ungemein häufig.
Dass die erbliche Veranlagung eine Rolle spielt, zeigt sich an dem erhöhten Risiko, wenn Eltern eine Osteoporose bzw. einen Schenkelhalsbruch hatten.